Hoch

Übersicht

Cambridge/UK, Peterhouse, College Chapel

For two to play

_klais/bilder/fotos/Artikel/Peterhouse/Peterhouse01.jpgDie Kapelle von Peterhouse

Die Kapelle wurde 1632 eingeweiht und entwickelte sich unter John Cosin (Magister, 1635-42) zu einem Leuchtturm laudianischer Praxis an der Universität. Im Jahr 1635 wurde ein Chor in die Statuten aufgenommen, und im selben Jahr wurde eine kleine provisorische Orgel installiert, der 1639 ein festes Instrument folgte. Dieses Instrument wurde nach der parlamentarischen Abschaffung der Kirchenorgeln in den 1640er Jahren abgebaut und verkauft. Nach der Restauration lieferte Thomas Thamer, ein Orgelbauer aus Cambridge, im Jahr 1667 eine neue Orgel.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Peterhouse/Peterhouse02.jpgOld Court mit der Kapelle in der Mitte der Westseite

Weitere Orgeln folgten, bis 1765 Horatio Mann, ein Fellow Commoner des College, dem College eine neue Orgel schenkte, die von Johann Schnetzler (1710-85), einem eingewanderten Schweizer Orgelbauer, gebaut wurde. Snetzler (so die englische Schreibweise) hatte um 1742 eine Werkstatt in London eröffnet und wurde zu einem der führenden Orgelbauer der georgischen Zeit. Von seiner Londoner Werkstatt aus lieferte er Instrumente, die dem Geschmack der Jahrhundertmitte nach Brillanz und Raffinesse in der klanglichen Ausführung der Orgel sowie nach optischer Eleganz in der Behandlung des Gehäuses entsprachen. Ein wichtiger Teil seines Geschäfts war die Lieferung von Haus- und Kammerorgeln an den Adel, aber er baute auch eine Reihe großer Orgeln für Kirchen in London und den Provinzen.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Peterhouse/Peterhouse03.jpgBlick von der Orgelempore in die Kapelle …

Wenig von Snetzlers Werken ist unverändert erhalten geblieben. Die am wenigsten veränderten Instrumente sind einige der Kammerorgeln, aber keine der größeren Kirchenorgeln von Snetzler ist in erkennbarer Form erhalten. Da zehn der ursprünglich vierzehn Snetzler-Register erhalten sind, ist die Peterhouse-Orgel von herausragender historischer Bedeutung und eine wichtige Quelle für Informationen über die Werkstattpraxis eines der führenden englischen Orgelbauer der georgianischen Zeit. Die Seltenheit ähnlicher Exemplare macht sie umso wichtiger.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Peterhouse/Peterhouse05.jpg… und in umgekehrter Richtung

Das andere erhaltene Element der Snetzler-Orgel ist das Gehäuse, insbesondere der Prospekt sowie Teile der Rückwand und der Seiten des aktuellen Gehäuses. Es ist von zweifacher historischer Bedeutung: Erstens ist es eines der relativ wenigen erhaltenen Kirchenorgelgehäuse von Snetzler, und zweitens ist es seit 1765 ein visuell dominierendes Merkmal der Peterhouse Chapel.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Peterhouse/Peterhouse06.jpgSnetzler-Prospekt von 1765

Die Snetzler-Pfeifen hatten das Potenzial, die klangliche Grundlage für die Rekonstruktion der Orgel zu bilden. Ein wichtiger Faktor für die Hochschule bei der Restaurierung war daher die Wiederherstellung der klanglichen Brillanz, die den ursprünglichen Auftrag veranlasst hatte. Die Herausforderung bestand darin, die Wiederherstellung von Snetzlers Klangwelt mit der Notwendigkeit zu verbinden, ein Instrument zu haben, das unsere regelmäßigen Gottesdienste mit Leichtigkeit begleitet. Es überrascht nicht, dass die Vorschläge, die wir von Orgelbauern erhielten, dazu neigten, der Lösung der einen Hälfte der Herausforderung Vorrang vor der anderen zu geben. Es war Catherine Ennis, unsere Haupt-Orgelberaterin, die vorschlug, Philipp Klais von Orgelbau Klais und Erik Winkel von Flentrop Orgelbouw zusammenzubringen, um die Herausforderung genauer zu besprechen und zu sehen, ob wir eine Vorstellung davon bekommen könnten, wie die optimale Lösung aussehen könnte.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Peterhouse/Peterhouse07.jpgrekonstruierter Snetzler-Spieltisch an der Ostseite des Gehäuses (Front)

Bei diesem Treffen entstand die Idee, zwei Spieltische einzurichten, von denen einer nur die Snetzler-Pfeifen anspielt, während der andere Zugang zu weiteren Registern hat, die separat mit Wind versorgt werden, sowie der Vorschlag, dass die beiden Werkstätten bei diesem Projekt zusammenarbeiten sollten. Als Institution, die sich dem Lernen und der Forschung verschrieben hat, waren die pädagogischen Möglichkeiten, die dieses System mit zwei Spieltischen bietet, besonders attraktiv, und wir begrüßten den Vorschlag sehr.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Peterhouse/Peterhouse09.jpgzeitgenössischer Spieltisch an der Südseite des Gehäuses

"Normalerweise wählen die Orgelbauer die Spieltischanordnung für das Instrument und treffen damit die Wahl für die Organisten. In diesem Fall überlassen wir die Wahl dem Organisten, der bei jeder Gelegenheit über die Eigenschaften beider Instrumente nachdenken muss: Kann ich diese Musik auf dem modernen Spieltisch oder auf dem Snetzler-Spieltisch besser spielen? Wir hoffen, auf diese Weise bei den Spielern ein größeres Bewusstsein für die Auswirkungen der Entscheidungen zu schaffen, die normalerweise bei der Konstruktion des Instruments getroffen werden." (Erik Winkel, Flentrop Orgelbouw)

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Peterhouse/Peterhouse15.JPGgemeinsame Namensplakette am zeitgenössischen Spieltisch

Das Instrument […] wäre ohne die Inspiration der verstorbenen Carherine Ennis, die engagierte Unterstützung unserer anderen Orgelberater Simon Jackson und David Graham, und den Beitrag unseres historischen Beraters Nicholas Thistlethwaite nicht möglich gewesen. Das College dankt ihnen für ihren fachkundigen Rat und ihre Unterstützung sowie Thomas Trotter, der sich bereit erklärt hat, das Einweihungskonzert zu geben.

 

(Text aus der Einweihungsbroschüre, mit Dank an Nicholas Thistlethwaite)

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Peterhouse/Peterhouse08.JPGgeschnitzte Klaviaturwangen des Snetzler-Spieltisches

Die aus diesem Konzept resultierende technische Anlage der Orgel bedarf einer kurzen Erläuterung. Wie bei Snetzler üblich, hatte das Instrument von 1765 nur zwei Manuale und kein Pedal. Das Choir-Manual steuerte auch die Register des Echo. Dessen Diskant-Register waren von der Choir-Windlade ca. eineinhalb Meter nach oben in einen kleinen Schwellkasten abgeführt, dessen Front einen primitiven Schiebeschweller bildete. Ein schneller Wechsel zwischen Registern des Choir und des Echo war also kaum möglich, da umregistriert werden musste. Dies führte zu der Entscheidung, im Rahmen der Restaurierung des historischen Materials – zu dem nicht die Spielanlage gehörte – beide Werke zu trennen. Daher die Dreimanualigkeit der "neuen alten" Spielanlage.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Peterhouse/Peterhouse10.JPGder zeitgenössische Spieltisch

Vom zeitgenössischen Spieltisch aus sollten aber Choir und Echo ein gemeinsames Schwellwerk bilden, um den Anforderungen der täglichen Liturgie zu entsprechen. Darüber hinaus sollten auch die historischen Diskantregister des Echo im Bass ergänzt werden, um im Rahmen des modernen Schwellwerkes im vollen Klaviaturumfang zur Verfügung zu stehen. Die Abfolge der Ventile beider Teilwerke in der kombinierten Windlade wie auch die Anordnung der teilweise historischen, teilweise modernen Pfeifen auf der Lade verlangte vom Konstrukteur ein extremes Maß an Kreativität! Ein Orgelstimmer, der zum ersten Mal hier wirken soll, wird wohl einige graue Haare mit nachhause nehmen…

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Peterhouse/Peterhouse13.jpgIm Innern des Untergehäuses …

Die mechanischen Spieltrakturen verlaufen vom Snetzler-Spieltisch horizontal in die Tiefe des Untergehäuses und dann über einen Winkelbalken von unten in die Wellenbretter. An dieser Stelle kommen von links die Trakturstränge vom zeitgenössischen Spieltisch dazu. Dabei greift die Traktur des Swell sowohl in die Traktur des Choir als auch des Echo ein. Für das nicht originale Pedal war in dem historischen Gehäuse natürlich kein Raum. Hinzu kam, dass man unterhalb des Westfensters eine historische Öffnung im Emporenboden wieder freilegen wollte, die für die Beleuchtung der kleinen Antechapel extrem wichtig ist, von den Vorgängerinstrumenten aber überdeckt worden war. So trägt die Orgel heute ihr Pedalwerk "huckepack".

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Peterhouse/Peterhouse11.jpg… laufen die Trakturen von beiden Spieltischen zusammen …

Im Untergehäuse, unterhalb der großen "Kreuzung" der Trakturen, liegen nach historischem Vorbild zwei große Keilbälge. Für diese liegen im Untergehäuse zwei prächtige Schwängel parat, mit denen man nach Herzenslust pumpen kann. Wird der bequeme Gebläsemotor verwendet, schwimmen beide Keilbälge im Wind und sorgen so für die gewünschte atmende Qualität des Windes. Für das Pedal, das ja ohnehin nur vom zeitgenössischen Spieltisch aus gespielt werden kann, gibt es einen separaten Balg.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Peterhouse/Peterhouse12.jpg… und von dort über die Wellenbretter zu den Manualladen …

Während sich die Spielhilfen am Snetzler-Spieltisch auf zwei Kerzenhalter beschränken, verfügt der zeitgenössische Spieltisch über eine moderne Setzeranlage mit allem Komfort.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Peterhouse/Peterhouse14.jpg… und dem modernen Pedal mit Eisenwellen oben rechts.

zur Disposition…

 

Für detaillierte Informationen über die Geschichte der Orgel zwischen 1765 und 2023 sei auf die exzellente Zusammenstellung von Nicholas Thistlethwaite verwiesen.